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Scholl singt Wolkenstein.
Oswald von Wolkenstein: Songs of Myself
Andreas Scholl und Shield Of Harmony
Harmonia Mundi 902051
Andreas Scholl singt Wolken- statt Rammstein, wobei letzteres bei ihm auch
nicht verwundern würde. Ist er doch ein Sänger, der gerne über den vokal
angestammten Tellerrand hinausblickt und ab und an auch eigene Popmusik zum
besten gibt. Sein einstiger Lehrer René Jacobs mag darüber im Geheimen die
Nase rümpfen, Scholl musikalischer Integrität kann es nichts anhaben.
Sein jüngstes Album erscheint in Anspielung an Walt Whitman unter dem Titel
Songs of Myself - reiches Schaffen aus dem Fundes des berühmten
Ritter-Dichter-Troubadour Oswald von Wolkenstein, der gern reiste,
sinnlichst lebte und noch viel lieber für Fürsten Lieder zum besten gab. Die
Frage inwieweit diese wirklich aus seiner eignen Feder stammen, ist Aufgabe
der Musikwissenschaft. Andreas Scholl und das Ensemble Shield of
Harmony machen sich Wolkensteins Songs zu eigen, als wäre
Woodstock eine begleitende Konzilsveranstaltung mit Giullaume de Machaut als
Backgroundsänger.
Der geschickte Marketing-Mann Oswald von Wolkenstein hätte mit Gewissheit
seinen Gefallen daran gefunden. Einäugig blickt er uns aus dem 15.
Jahrhundert entgegen und erzählt Geschichten aus dem Leben, über die Liebe
und europäische Politik. Von wegen finsteres Mittelalter - hier klingt es
zum Anfassen nahe.
In dem Lied Durch Barbarei, Arabia ist auch Scholls wunderbarer
Bariton zu hören - ein nobler Leporello! Aufgenommen wurde das sehr
persönliche Album, gewidmet Scholls früh verstobenem Vater und seiner
ebenfalls schon verstorbenen Schwester, in der Kiedricher St. Valentinus
Kirche. Dort wirkte der heutige Star bis zum Studium in Basel als Chorbube.
Seine Rückkehr bewegt mehrfach. (um)
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