Freitag, 10. Februar 2012
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  •   Scholl singt Wolkenstein.

    Oswald von Wolkenstein: Songs of Myself
    Andreas Scholl und Shield Of Harmony


    Harmonia Mundi  902051

    Andreas Scholl singt Wolken- statt Rammstein, wobei letzteres bei ihm auch nicht verwundern würde. Ist er doch ein Sänger, der gerne über den vokal angestammten Tellerrand hinausblickt und ab und an auch eigene Popmusik zum besten gibt. Sein einstiger Lehrer René Jacobs mag darüber im Geheimen die Nase rümpfen, Scholl musikalischer Integrität kann es nichts anhaben.

    Sein jüngstes Album erscheint in Anspielung an Walt Whitman unter dem Titel Songs of Myself - reiches Schaffen aus dem Fundes des berühmten Ritter-Dichter-Troubadour Oswald von Wolkenstein, der gern reiste, sinnlichst lebte und noch viel lieber für Fürsten Lieder zum besten gab. Die Frage inwieweit diese wirklich aus seiner eignen Feder stammen, ist Aufgabe der Musikwissenschaft. Andreas Scholl und  das Ensemble Shield of Harmony machen sich Wolkensteins Songs zu eigen, als wäre Woodstock eine begleitende Konzilsveranstaltung mit Giullaume de Machaut als Backgroundsänger.

    Der geschickte Marketing-Mann Oswald von Wolkenstein hätte mit Gewissheit seinen Gefallen daran gefunden. Einäugig blickt er uns aus dem 15. Jahrhundert entgegen und erzählt Geschichten aus dem Leben, über die Liebe und europäische Politik. Von wegen finsteres Mittelalter - hier klingt es zum Anfassen nahe.

    In dem Lied Durch Barbarei, Arabia ist auch Scholls wunderbarer Bariton zu hören - ein nobler Leporello! Aufgenommen wurde das sehr persönliche Album, gewidmet Scholls früh verstobenem Vater und seiner ebenfalls schon verstorbenen Schwester, in der Kiedricher St. Valentinus Kirche. Dort wirkte der heutige Star bis zum Studium in Basel als Chorbube. Seine Rückkehr bewegt mehrfach. (um)