Samstag, 4. Februar 2012
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CD der Woche-Archiv


© Gramola

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  •   Klavierkonzerte von Beethoven und Hummel.

    Hummel, Beethoven Klavierkonzerte
    Ingrid Marsoner, Orchestre Symphonique Bienne, Thomas Rösner


    Gramola 9003643989382

    Ingrid Marsoner kam mit 11 Jahren an die Grazer Musikhochschule, setzte ihre Studien später in Wien beim legendären Rudolf Kehrer fort und besuchte Meisterkurse bei Paul Badura-Skoda und Alfred Brendel. Mehrere internationale Wettbewerbe hat die Pianistin gewonnen und nun ihre dritte CD bei Gramola eingespielt: Klavierkonzerte von Hummel und Beethoven, aufgenommen mit dem Sinfonieorchester Biel unter der Leitung von Thomas Rösner.

    Irrwitzig schnell nimmt Ingrid Marsoner das Tempo im Rondo aus Beethovens 1. Klavierkonzert. Sie versetzt sich in die Lage des etwa 25-jährigen Beethoven, der sich ein Klavierkonzert schreibt, um mit seinen pianistischen Fähigkeiten in der Wiener Gesellschaft Eindruck zu machen, zu brillieren. So beeindruckend ihre technischen Fähigkeiten sind, am faszinierendsten ist Ingrid Marsoners Gestaltung der Übergänge.

    Johann Nepomuk Hummels markante Rhythmen spielt Ingrid Marsoner kraftvoll und energiegeladen und geht dann fast unmerklich in lyrische Passagen über. An diesen subtilen Stimmungswechseln zeigt sich die wahre Meisterin. Im filigranen Larghetto kommt ihr feiner Anschlag besonders gut zur Geltung.

    Hummels zweites Klavierkonzert in a-Moll op. 85 entstand etwa 20 Jahre später als Beethovens erstes Klavierkonzert in C-Dur. Ingrid Marsoner, Thomas Rösner und das Sinfonieorchester Biel machen im direkten Vergleich auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Wahl-Wiener aufmerksam. Eine interessante Gegenüberstellung, gekonnt interpretiert! (mvh)

    • Samstag, 4. Februar 2012, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © Decca

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  •   Andreas Scholl singt Bach.

    Andreas Scholl: Bach-Kantaten.
    Andreas Scholl, Kammerorchester Basel, Julia Schröder


    Decca 028947827337

    Auf seiner gerade bei Decca erschienenen CD kehrt der Countertenor zu seinen Ursprüngen zurück: schon im Knabenchor sang er mit Begeisterung die Musik Johann Sebastian Bachs. Für die Aufnahme der Bach-Kantaten hat sich Andreas Scholl mit dem Kammerorchester Basel zusammen ins Elsass begeben: ins Dominikaner Kloster in Guebwiller.

    Wohl kaum ein Instrument zelebriert sehnsuchtsvolle, melancholische, klagende Melodien schöner als eine Oboe. Die Kantate BWV 82 Ich habe genug hat Johann Sebastian Bach zu Mariä Lichtmess 1727, also vor ziemlich genau 285 Jahren komponiert. Ursprünglich für Solobass geschrieben, wurde sie später auch von einem Mezzosopran gesungen. Andreas Scholls Countertenor verwebt sich auf bemerkenswerte Weise mit der Oboe.

    Glasklar und schlank tönt Andreas Scholls Stimme, stets wohldosiert und einwandfrei geführt. Die Mitglieder des Kammerorchesters Basel musizieren ebenso kenntnisreich und feinfühlig unter der Leitung ihrer Konzertmeisterin Julia Schröder.

    Den Choral Du süße Liebe schenk uns deine Gunst aus der Kantate BWV 169 singt Andreas Scholl zusammen mit Junko Takamaya, Michael Feyfar und Raitis Grigalis.

    Andreas Scholl hat sich intensiv mit Text, Musik und religiösem Kontext der Kantaten beschäftigt. Herausgekommen ist eine überzeugende Interpretation, die weit über bloßen „Schöngesang“ hinaus reicht. (mvh)

    • Samstag, 28. Jänner 2012, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © Anna Carmignola

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  •   Giuliano Carmignola spielt Haydn.

    Haydn: Violinkonzerte
    Giuliano Carmignola, Orchestre des Champs-Élysées, Alessandro Moccia


    Archiv Produktion

    Über 100 Symphonien schrieb Joseph Haydn – aber nur 24 Konzerte, darunter vier für die Violine. Von seinen Konzerten sind nicht alle erhalten, wie etwa im Fall des 2. Violinkonzerts, von dem sich außer einem Eintrag in Haydns „Entwurf-Katalog“ keine Spur findet. Dafür weiß man, für wen Haydn das Violinkonzert in C-Dur komponiert hat: für Luigi Tomasini, der als 16-Jähriger in den Dienst des Fürsten Esterházy getreten war und später Konzertmeister der Hofkapelle wurde.

    Entstanden sind alle drei Konzerte um 1765. Vielleicht hat Joseph Haydn die beiden anderen Konzerte für sich selbst komponiert, schließlich war er nicht nur Konzertmeister seiner Kapelle, sondern trat auch als Solist auf. Auf jeden Fall waren sie für einen echten Virtuosen bestimmt, darauf lassen die zahlreichen Läufe, Doppelgriffpassagen und Intervallsprünge schließen.

    Giuliano Carmignola erweist sich auch bei Haydns Violinkonzerten als einer der besten Geiger seiner Zeit: brillante Technik und perfekte Intonation stehen bei ihm stets im Dienst der Musikalität. Sein intensives, temperamentvolles Spiel ist gekennzeichnet von einer feinen Eleganz und Leichtigkeit. Dazu das Orchestre des Champs-Élysées unter der Leitung des Konzertmeisters Alessandro Moccia als ebenbürtige Begleitung: sehr empfehlenswert! (mvh)

    • Samstag, 21. Jänner 2012, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © harmonia mundi

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  •   Tokyo String Quartet spielt Schubert.

    Schubert: Streichquintett
    Tokyo String Quartet, David Watkin


    HMC 093046742768

    Im Schatten Beethovens von Zweifeln geplagt, brach der 23-jährige Franz Schubert die Komposition seines Streichquartetts ab, als er gerade einmal 40 Takte des langsamen Satzes geschrieben hatte. Der sogenannte Quartettsatz D 703 erschien erst 40 Jahre nach seinem Tod, knapp 30 Jahre später folgte der fragmentarische langsame Satz, mit dem das Tokyo String Quartet diese CD abrupt, aber zart enden lässt.

    Im Zentrum der Einspielung steht das große Streichquintett in C-Dur, D 956, das der 31-jährige Franz Schubert kurz vor seinem Tod komponiert hat. Das Tokyo String Quartet hat sich als fünften Mitspieler den Cellisten des Eroica Quartets, David Watkin, ausgeborgt. Dessen Rogeri-Cello von 1690 ergänzt die vier Stradivari-Instrumente des Tokyo String Quartets, die früher Paganini gehörten.

    In ständigem Wechsel durchziehen Schuberts Streichquintett die gegensätzlichen Stimmungen: heiter, aufgeregt, kummervoll, jubelnd – alles unmittelbar nebeneinander. Das Tokyo String Quartet und David Watkin gehen sehr sorgfältig und liebevoll mit Schuberts Musik um. Das macht diese Aufnahme  - neben der perfekten Intonation, dem herrlichen Klang der Instrumente und dem hervorragenden Zusammenspiel der fünf Musiker – so empfehlenswert. (mvh)

    • Samstag, 14. Jänner 2012, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © Berlin Classics

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  •   Baroque Oriental.

    Baroque Oriental
    Valer Barna-Sabadus, Pera Ensemble, Mehmet C. Yeşĭlçay


    Berlin Classics 885470002750

    Frieden und Völkerverständigung über alle Grenzen hinweg waren schon immer ein Menschheitstraum. Im alten Konstantinopel war Pera der am westlichsten geprägte Stadtteil. Hier leben seit der Antike Menschen aller Kulturen und Religionen zusammen. Das nach diesem Stadtteil benannte Pera Ensemble, verbindet auf musikalische Weise Orient und Okzident.

    Unverkennbar und doch anders als gewohnt klingt Claudio Monteverdis berühmtes Madrigal Si dolce é’l tormento. Das liegt an den verwendeten Instrumenten und der Spielweise, beispielsweise der Verzierungskunst. Das Pera Ensemble unter der Leitung von Mehmet Yeşilçay setzt sich aus internationalen Spezialisten für historische Aufführungspraxis zusammen, die sich in europäischer und osmanischer Musik auskennen.

    Im östlichen Mittelmeerraum zwischen Istanbul, Damaskus, Kairo und den italienischen Hafenstädten Venedig oder Genua gab es im 17. Jahrhundert nicht nur Handelsverbindungen. Durch die gegenseitigen Einflüsse gewann auch die Instrumentalmusik am osmanischen Hof zunehmend an Bedeutung. Ein besonders wichtiges Element, das türkische Musik und Barockmusik verbindet, ist die Improvisation.

    Ob in Monteverdis La mia turca oder in Giulio Caccinis berühmtem Amarilli, mia bella, der 25-jährige rumänische Countertenor Valer Barna-Sabadus lässt aufhorchen: er verfügt über eine klare, gut ausgebildete Stimme, nuancenreiche Farbschattierungen und feine Koloraturen. Ein vielversprechender junger Sänger in einem interessanten Projekt! (mvh)

    • Samstag, 7. Jänner 2012, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.

     


    © Deutsche Grammophon

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  •   Die Maiskys in Spanien.

    ¡España!
    Mischa Maisky, Lily Maisky


    DG 828021609121

    Um als Kind eines berühmten Musikers nicht im Schatten zu stehen, braucht man eine starke Persönlichkeit. Die hat Lily Maisky, die Tochter des großen lettischen Cellisten Mischa Maisky. Als Pianistin hat sie ihre ganz eigenen Vorstellungen von der Musik. Vater und Tochter schätzen sich gegenseitig, sind aufgeschlossen und lernen so beide voneinander. Nun haben sie ihre erste gemeinsame CD bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht: ¡España! – Lieder und Tänze aus Spanien.

    Eine einsame Bucht oder eine Nebellandschaft in den Bergregionen Asturiens im Norden Spaniens – die Atmosphäre in Manuel de Fallas Asturiana wirkt vom ersten Ton an magisch, wenn Lily Maisky spielt. Auch wer die sieben Volkslieder De Fallas mit spanischen Sängern im Ohr hat, dürfte an Mischa Maiskys Interpretation Gefallen finden.

    Die Palette an Farben, die Mischa und Lily Maisky vorrätig haben, ist erstaunlich. Da kann das Cello beispielsweise auch mal wie eine Flöte klingen wie in Manuel de Fallas Canción.

    Lily und Mischa Maisky zeigen auf dieser CD, dass spanische Musik weniger eine Frage des ursprünglichen Instruments ist, als vielmehr des sensiblen Einfühlungsvermögens und der Leidenschaft.

    Temperamentvoll und energiegeladen, zart, melancholisch, sehnsuchtsvoll, heiter –  die ganze Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten der Musik Manuel De Fallas, Enrique Granados‘, Isaac Albéniz‘ und der Komponisten aus ihrem Umfeld kommt in dieser Auswahl zur Geltung. Das Konzert der Maischkys auf Schloss Elmau, das jetzt als live-Aufnahme vorliegt, muss beeindruckend gewesen sein – die CD ist wunderschön! (mvh)

    • Samstag, 17. Dezember 2011, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © RCA Red Seal

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  •   Schumanns 1. und 3. Symphonie.

    Schumann Symphonien
    Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Paavo Järvi


    RCA Red Seal 88697964312

    Auch in der heutzutage allgegenwärtigen „Zeit ist Geld“-Mentalität braucht Qualität ihre Zeit. Das wissen die Bremer Kaufleute und unterstützen die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und ihren künstlerischen Leiter Paavo Järvi bei außergewöhnlichen Projekten wie dem Beethoven-Zyklus, der immerhin 6 Jahre in Anspruch nahm. Der weltweite Erfolg war überwältigend. Nun folgt das nächste Projekt: Robert Schumanns Symphonien. Auf der bei RCA Red Seal erschienen ersten CD finden sich die Symphonien Nr. 3 und 1.

    Am 9. Dezember 1850, also vor ziemlich genau 161 Jahren, beendete Robert Schumann die Instrumentierung seiner 3. Symphonie. Er war erst kurz zuvor nach Düsseldorf gekommen, wo ihm als städtischem Musikdirektor endlich ein eigenes Orchester zur Verfügung stand. Dank der Mitwirkung von Militärmusikern war der Bläserapparat des Orchesters sehr modern ausgerüstet. Es gab Ventilhörner und Ventiltrompeten, was Schumanns Düsseldorfer Werke prägte.

    In einem Brief an seinen Verleger hatte sich Robert Schumann darüber gefreut, dass die neue Symphonie Rheinisches Leben wiederspiegele. Rheinische Symphonie wurde sie aber erst postum genannt. Anders Schumanns 10 Jahre zuvor begonnene 1. Symphonie, deren Namen Frühlingssymphonie schon ganz zu Anfang feststand.

    Geschult in der historischen Aufführungspraxis, aber voll Neugier und Offenheit gegenüber allen stilistischen Entwicklungen geht die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit ihrem Chefdirigenten Paavo Järvi auf musikalische Entdeckungsreise. Ihre Sorgfalt, ihre unbändige Spielfreude und ihre technische Brillanz kommen nun auch der Musik Robert Schumanns zugute. Eine äußerst gelungene CD! (mvh)


    © Onyx Classics

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  •   Chen Reiss und die Wiener Klassik.

    Liaisons
    Chen Reiss, L'Arte del Mondo, Werner Ehrhardt


    Onyx 880040406822

    Ursprünglich wollte Chen Reiss Ballerina werden, doch eine Beinverletzung machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Dann wurde Maria Callas zum großen Vorbild und die Israelin studierte Gesang in New York. Zu Wien hat Chen Reiss eine besondere Verbindung: ihre Großmutter hat ihr als Kind Tafelspitz und Palatschinken gemacht, darauf freut sich die Sängerin bei jedem Wienbesuch. Auf ihrer bei Onyx Classics erschienenen ersten Solo-CD „Liaisons“ singt Chen Reiss Arien der Wiener Klassik.

    Mit einer Welterstaufnahme der Arie “Tremo bell’idol mio” aus Antonio Salieris Oper Armida beginnt Chen Reiss ihre CD. Die 32-jährige Sopranistin spürt den Einflüssen der Zeit wie auch der Komponisten untereinander nach, den Gemeinsamkeiten und den Unterschieden im Wien des 18. Jahrhunderts. Salieris Partien findet sie perfekt für die menschliche Stimme gesetzt, aber sehr stark dem Geschmack seiner Zeit verpflichtet. Ähnlich Domenico Cimarosa, z.B. in seiner Arie “Perdonate, signor mio” aus Il matrimonio segreto.

    Am meisten gefällt Chen Reiss die wesentlich freiere Art zu komponieren, die Wolfgang Amadeus Mozart pflegte. An seinen Arien müsse man intensiv arbeiten, um die Aussage genau zu treffen. Manchmal stecke in der Musik das Gegenteil des Gesagten. So zählt beispielsweise für Despina aus Così fan tutte die Lüge zu den legitimen Mitteln, um Männer zu verwirren.

    Kokett und mit makelloser Technik versetzt sich Chen Reiss in die unterschiedlichen Frauenrollen der Wiener Klassik. Vorzüglich begleitet sie dabei das Orchester l’arte del mondo unter der Leitung von Werner Ehrhardt, das auch zwei Sinfonien solo zum Besten gibt. (mvh)

    • Samstag, 3. Dezember 2011, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © Gramola

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  •   Meira Farkas spielt Schubert.

    Schubert: Klaviersonaten
    Meira Farkas


    Gramola 9003643989290

    Die Pianistin Meira Farkas stammt aus Rumänien. Ihre Familie emigrierte in den 60ern nach Israel. In Tel Aviv hat sie Klavier und Kammermusik studiert, bevor sie u.a. an die New Yorker Juilliard School kam. Wien wurde Meira Farkas zweite Heimat, hier hat sie u.a. ihren Meisterschüler Till Fellner unterrichtet. Meira Farkas‘ Lebensziel ist es, alle Klavier-Werke ihres Lieblingskomponisten Franz Schubert aufzunehmen. Dem kommt sie mit ihrer neuen, soeben bei Gramola erschienenen Doppel-CD ein weiteres Stück näher.

    Entschlossen, aber ganz ohne die Härte, die so manch anderer Pianist in diesen Anfang von Franz Schuberts Wandererfantasie legt, eröffnet Meira Farkas ihre Doppel-CD. Sie weiß genau, was sie will, und kann kraftvoll spielen, ohne jemals grob zu werden. Geschmeidig wie ein Fisch im Wasser bewegt sich Meira Farkas durch Schuberts Musik.

    Beseelt wirkt nicht nicht nur das Allegro patetico aus Franz Schuberts Sonate in E-Dur. Meira Farkas bringt durchaus die Aufgewühltheit Schuberts zum Ausddruck – aber sie weiß immer Maß zu halten, hat es nicht nötig, zu übertreiben. Unmerkliche Stimmungswechsel sind eine ihrer großen Stärken, wie zu Beginn der e-Moll Sonate.

    Liebevoll geht Meira Farkas mit Schuberts Musik um, das ist jeder einzelnen Note zu entnehmen. Mit feinem Gespür für graduelle Unterschiede zwischen empört, frech, aufmüpfig, beschwingt, heiter, hinnehmend, resignierend färbt sie Schuberts Melancholie auf wunderbar gelassene Art. Besonders schön: das Andante aus der C-Dur Sonate, der sogenannten “Reliquie”. (mvh)

    • Samstag, 26. November 2011, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © Sony

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  •   Opernarien.

    Christine Schäfer: Opernarien
    Christine Schäfer, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Julien Salemkour


    Sony 88697914002

    Die Sopranistin Christine Schäfer ist eine eigenständige Künstlerin. Mutig genug, ihren Exklusiv-Vertrag bei der Deutschen Grammophon zu kündigen. "Ich wollte mich nicht im halboffenen Hemdchen fotografieren lassen. Und darüber, was ich singe, bestimme ich. Ich habe schließlich ein breites Programm." So wie auf ihrer neuen, bei Sony erschienenen CD.  „Opernarien“ lautet ihr Titel und die Bandbreite reicht von Händel bis Messiaen. Christine Schäfer hat sie zusammen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Julien Salemkour aufgenommen.

    Nur von Theorbe und Violoncello begleitet singt Christine Schäfer “O sleep, why dost thou leave me?” aus Georg Friedrich Händels Semele. Es ist eine der Arien, in denen die Sopranistin eine ihrer ganz großen Stärken ausspielen kann, noch im zartesten Pianissimo über eine wunderbare Palette an Nuancen zu verfügen. Das Deutsche Symphonieorchester Berlin ist unter der Leitung von Julien Salemkour ein ebenbürtiger Partner, wie etwa in “Ah! Dieu nous éblouit par excès de vérité” aus Olivier Messiaens Saint François d’Assise.

    Ausgehend von Richard Strauss’ Einakter Capriccio und der Frage, ob Worten oder Tönen der Vorzug zu geben sei, ist diese CD entstanden. Christine Schäfers erstes Opernarien-Recital enthält keine übliche “Greatest Hits” Sammlung, es ist eine sehr persönliche Mischung populärer und weniger bekannter Werke. Meistens steht die Musik im Vordergrund, manchmal spricht sie sogar ganz ohne Worte, wie in drei reinen Orchesterstücken. In Verdis “Ave Maria” hingegen werden die Worte gestammelt, Musik auf Rhythmus und einen tonlosen Ton reduziert. Hier klingt Christine Schäfers Stimme ganz samtig.

    Christine Schäfer gilt zu Recht als eine der weltbesten Sopranistinnen. Ihre eindrucksvolle Bandbreite an Repertoire zeigt sie auf dieser CD gekonnt: stets stilgerecht, präzise und klar – und hoch virtuos, wie in “Je suis Titania” aus Ambroise Thomas’ Oper Mignon. Sehr empfehlenswert! (mvh)

    • Samstag, 19. November 2011, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © Virgin Classics

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  •   Duetti.

    Duetti
    Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic, Les Arts Florissants, William Christie


    Virgin Classics 5099907094323

    Graziöse Melodielinien, edle musikalische Strukturen und feinsinniger emotionaler Ausdruck – Kammerduette waren zwischen 1680 und 1720 die am höchsten geschätzten Kompositionen an Höfen und in den Kreisen musikalisch Gebildeter. Benedetto Marcellos Duettkantate Chiaro e limpido fonte beispielsweise enthält Solorezitative und Arien und trumpft mit gleich zwei kunstvollen Duetten auf.

    Philippe Jaroussky und Max Emanuel Cencic erscheinen wie Zwillinge auf dieser CD – kaum zu unterscheiden: Jarousskys Stimme klingt ein klein wenig weicher, voller, wärmer als die seines Duettpartners Cencic. Unmittelbar vergleichen lassen sie sich in Francesco Contis Quando veggo un’usignolo, in dem die beiden Soprane wie auch die Instrumente eine Nachtigall nachahmen. Zuerst Philippe Jaroussky, dann Max Emanuel Cencic. Und schließlich beide Stimmen kunstvoll ineinander verwoben.

    William Christie leitet von Cembalo oder Orgel aus eine stellenweise um zwei Violinen ergänzte Basso Continuo-Gruppe, so dass der intime Charakter dieser Kammerduette stets gewahrt bleibt. Eine feine CD! (mvh)


    © Deutsche Grammophon

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  •   Melancolia.

    Melancolía
    Patricia Petibon, Orquesta Nacional de España, Josep Pons


    Deutsche Grammophon 028947794479

    Ausgangspunkt für Patricia Petibons musikalische Reise durch Spanien und Lateinamerika ist die Figur der Salud aus Manuel de Fallas La vida breve. Sie verkörpert die dunkelste Seite der Melancholie als verlorene Hoffnung, als Traurigkeit mit Hang zur Tragödie. Doch dahinter können sich auch Freude und Schrecken aus der Kindheit verstecken wie in Gerónimo Giménez Lied vom Biss der Tarantel.

    Im Mittelalter schrieb man der Tarantel, einer Spinnenart zu, “Tanzwut” zu verursachen – Patricia Petibon empfindet gerade die Körperlichkeit der spanischen Musik als eine Gemeinsamkeit zur Barockmusik, von der sie kommt. Sie kann aufstampfen und schreien. Sie kann aber auch ihre Stimme ganz zart dehnen, wie in dem brasilianischen Volkslied Ogundé uareré, dessen Tranceartigkeit auf afrikanische Ursprünge zurückgeht.

    Patricia Petibons “Melancolía” ist vielseitig: rauh und volkstümlich, feinsinnig und anspruchsvoll. Sie hat sich stimmlich die verschiedenen Schattierungen der Lieder zu eigen gemacht und eine abwechslungsreiche Instrumentation ausgesucht: mit Percussion, Piano, Flamenco-Gitarre und dem spanischen Nationalorchester unter der Leitung von Josep Pons – eine gelungene CD! (mvh)

     

    • Samstag, 5. November 2011, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © harmonia mundi

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  •   Schwanengesang.

    Schubert: Schwanengesang
    Mark Padmore, Paul Lewis


    Harmonia Mundi 093046752026

    Gemeinsam mit dem Pianisten Paul Lewis hat der britische Tenor Mark Padmore einen dreiteiligen Schubert-Zyklus für harmonia mundi aufgenommen: nach der Winterreise und Die schöne Müllerin folgt nun mit Schwanengesang die dritte und letzte Ausgabe.

    Als erstes fällt an dieser CD das Klavier auf: Paul Lewis ist nicht nur ein exzellenter Solist, er versteht es ebenso, einfühlsam zu begleiten. In Schuberts Liebesbotschaft lässt er das Bächlein glitzern, seine Einleitung zu Kriegers Ahnung erscheint wie aus grauem, kaltem Stein gemeißelt.

    Mark Padmore beeindruckt vor allem durch seine Textgenauigkeit: jedes Wort ist verständlich und akzentfrei. Mit seinem feinen Tenor gestaltet er Schuberts Musik nuancenreich und ausdrucksstark. Von Resignation durchtränkt wirkt die Bitte an die Liebste in Ständchen.

    1828 komponierte Franz Schubert die Lieder nach Gedichten von Ludwig Rellstab, Heinrich Heine und Johann Gabriel Seidl, kurz bevor er mit 31 Jahren starb. Der Titel Schwanengesang stammt vom Verleger, der Schuberts letzte Lieder posthum veröffentlichte. Diesem schmerzlichen Zyklus stellen die Interpreten zwei wenige Monate zuvor entstandene, lichtere Lieder gegenüber: Die Sterne und Auf dem Strom, letzteres unterstützt von dem wunderbaren Hornisten Richard Watkins. (mvh)

    • Samstag, 29. Oktober 2011, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © Preiser Records.

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  •   Liszts Lieder.

    Liszt: Roots & Routes
    Elisabeth Kulman, Eduard Kutrowatz


    Preiser Records 717281911979

    Ein paar Kilometer nördlich von Liszts Geburtsort Raiding ist der Pianist Eduard Kutrowatz geboren, die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman ein paar Kilometer südlich. Ihre gemeinsame CD „Liszt Roots & Routes“ haben sie direkt neben dem Geburtshaus Liszts aufgenommen. Im Mai und Juni waren die Aufnahmen, kurz bevor der Unfall passierte, der Elisabeth Kulman nun wochenlang die Stimme nahm.

    Als Liebeserklärung an Franz Liszt und die Vielfalt seiner Musik ist die CD “Wurzeln und Wege” gedacht. Seine Lieder hat der Kosmopolit Liszt in sechs Sprachen geschrieben: Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Ungarisch und Russisch. Bei seinem russischen Lied nach einem Text von Alexei Tolstoi handelt es sich hier um eine Ersteinspielung.

    Seine summende dreijährige Tochter hatte Liszt zu seiner allerersten Liedkomposition inspiriert, der italienische Text zu dem zärtlichen Wiegenlied stammt von Marchese Césare Boccella.

    Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz nähern sich Liszts Liedern mit Entdeckerfreude, Fantasie und Experimentierlust. So hat die Sängerin sogar ein Duett mit sich selbst aufgenommen. Ein gutes Viertel des Liszt’schen Liedschaffens ist auf dieser CD zu hören: abwechslungsreich und modern, wie etwa das englische Go not, happy day zu einem Text von Lord Alfred Tennyson.

    Elisabeth Kulman singt in jeder Sprache verständlich, nuancenreich und ausdrucksstark. Ihre Stimme ist wandlungsfähig und besitzt ein sehr schönes, dunkles Timbre. Mit Eduard Kutrowatz steht ihr ein ebenso vielseitiger wie einfühlsamer Partner am Klavier zur Seite. Eine hörenswerte CD! (mvh)

    • Samstag, 22. Oktober 2011, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


    © Deutsche Grammophon

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  •   Bruckner, Sibelius, Nielsen.

    Dudamel: Bruckner, Sibelius, Nielsen
    Göteborger Symphoniker, Gustavo Dudamel


    DG 028947794493

    Manchmal wiederholt sich die Geschichte doch: Als Mariss Jansons 1980 das Visum für eine Konzerttournee mit den Göteburger Symphonikern verweigert wurde, übernahm Neeme Järvi das Dirigat - zwei Jahre später wurde er zum Chefdirigenten ernannt. Genauso erging es Gustavo Dudamel, der 2005 kurzfristig für Neeme Järvi einsprang und zwei Jahre später den Posten des Chefdirigenten beim Schwedischen Nationalorchester übernahm. Nun ist eine CD-Box bei der Deutschen Grammophon erschienen, die die gute Zusammenarbeit des 30-jährigen Venezolaners mit den Schweden anhand von live-Mitschnitten dokumentiert. Darauf: Symphonien von Anton Bruckner, Carl Nielsen und Jean Sibelius.

    Für die Finnen ist Sibelius’ 2. Symphonie ein Symbol ihres Unabhängigkeitskampfes, auch wenn der Komponist selbst mit diesem Werk keine politischen Absichten hatte. Für die Göteburger Symphoniker ist gerade diese Symphonie eine Art Markenzeichen geworden: drei Mal spielten sie das Werk unter Sibelius’ eigener Leitung – und seitdem immer wieder: herrliche, lichtdurchflutete Musik, die überhaupt nicht an “den kühlen Norden” erinnert, sondern einen enormen Auftrieb verleiht.

    Auch mit dem Dänen Carl Nielsen sind die Göteburger Symphoniker eng verbunden: Er war einige Jahre ihr stellvertretender Chefdirigent und brachte auch seine eigenen Werke zur Aufführung. Darunter die in dieser CD-Box enthaltenen Symphonien Nr. 5 und 4. Letztere trägt den Beinamen Das Unauslöschliche. Carl Nielsen war überzeugt “Musik ist Leben.”

    Gustavo Dudamel, gerade vom britischen Musikmagazin Grammophone zum Künstler des Jahres gekürt, ist im Konzert ein außergewöhnliches Erlebnis: Ein Energiebündel bis in die letzte Lockenspitze, vermag er Musiker und Publikum zu begeistern wie kaum ein anderer. Diese CD-Box mit den hervorragend spielenden Göteburger Symphonikern bietet eine hörenswerte Gegenüberstellung der drei Komponisten Sibelius, Nielsen und Bruckner, deren hier versammelte Werke etwa zur gleichen Zeit entstanden sind. (mvh)

    • Samstag, 15. Oktober 2011, 07.35 Uhr und 17.15 Uhr.


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