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Samstag, 30. Mai 2015
© Theater an der Wien

Ab 1. Juni Gefühle einschalten auf 107,3

CD der Woche-Archiv


© DEcca

  • Gewinnspiel
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  •   tutto buffo - haben lustig?

    Interpreten: Paolo Bordogna
    Label: Decca
    EAN: 028948116850

    Schon das Cover verspricht gute Unterhaltung. Paolo Bordogna thront in verschmitzter Sängerpose über den Fotos jener Auswahl an Buffo-Partien, die er aufgenommen hat: Leporello, Mamma Agata, Falstaff und Gianni Schicchi. Auf der Rückseite dann eher Elvis als Dulcamara - man möchte sich keine Zielgruppe verwehren. Ersterem hätte diese Aufnahme mit der Filarmonica Arturo Toscanini unter Francesco Lanzillotta vermutlich auch gefallen. Eine gute Stunde perlend virtuoser Unterhaltung – ein bisschen Spaß darf, muss (!) sein. „Humor ist mehr als Komödie“ titelt Giancarlo Landini im CD-Booklet.

    "Udite", "Hört, hört", da singt einer, der es kann - in seiner Muttersprache. Das freut das feine Ohr und hilft der Überzeugungskraft seiner verschlagen gewitzten, polternd, stotternden Buffo-Rollen: Don Geronimo, Leporello, Dottor Bartole, Don Geronio, Don Magnifico, Mamma Agata, Dottor Dulcamara, Falstaff, Gianni Schicchi, Tartaglia, Beaupertuis und im Falle von Gaetano Donizettis  "Don Pasquale", den Titelhelden und auch sein Gegenüber Dottor Malatesta.

    Der Mailänder Paolo Bordogna studierte Gesang bei Roberto Coviello und Katia Ricciarelli. Der Bariton gewann den Caruso-Gesangswettbewerb sowie den Bastianini-Preis und gastiert regelmäßig an renommierten Häusern. Zuletzt sang er unter anderem Rossinis Don Magnifico aus "La Cenerentola" in München.

    Auch unbekanntere Stücke singt Paolo Bordogna zum "Anbeißen". Man muss ihn nicht sehen, um zu hören, dass es ihm Spaß macht, den Witz der Musik mit seiner Stimme und seinem Mundwerk zu übersetzen. "tutto buffo" – alles komisch, witzig, eigen und nicht artig. Eine CD für wache Geisterinnen und Geister mit potentieller Lebenslust, die hoffen lässt, dass Paolo Bordogna auch bald in Wien auf einer Opernbühne zu hören sein wird.

    Ursula Magnes, 30. Mai 2015

     


    © col legno

  • Gewinnspiel
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  •   Arvo Pärt: Babel.

    Interpreten: Wiltener Sängerknaben, Johannes Stecher
    Label: col legno
    EAN: 9120031341345

    Die Wiltener Sängerknaben aus Innsbruck formieren sich aus 160 Knaben und jungen Männerstimmen. Sie haben eine ähnlich lange Tradition wie die Wiener Sängerknaben. Seit 24 Jahren liegt die künstlerische Leitung in den Händen von Johannes Stecher.

    Im Verlauf der letzten beiden Jahre haben die Wiltener als erster Knabenchor eine CD mit Musik von Arvo Pärt aufgenommen.

    Arvo Pärt zählt zu jenen Komponisten, welche einen unverwechselbaren Personalstil pflegen. Bei der Aufnahme der Wiltender Sängerknaben in der Pfarrkirche Telfs war er anwesend und begeistert: „Die Wiltener Sängerknaben haben mich überrascht: Mit der Schönheit ihrer Stimmen und einer Reife, die für einen Knabenchor bemerkenswert ist.“ Stimmt!

    Mit „Beatitudines“, der Vertonung der „Seligpreisungen“, komponiert 2011, und „Drei Hirtenkinder aus Fátima“, komponiert drei Jahre später, finden sich auf der Aufnahme zwei Ersteinspielungen unter sieben weiteren Titeln. Allein das lohnt sich für die neugierige Hörerin.

    Vergleicht man die Aufnahmen der Wiltener mit anderen „erwachsenen“ Vokalensembles, genießt man sehr bald das individuelle der jungen frischen Stimmen, die nie forciert oder angestrengt klingen. Und das, obwohl Arvo Pärts meditative Klangbögen nicht unbedingt als Kinderliteratur zu bezeichnen sind.

    Auch solistisch beeindrucken die CD. Was englischen Knabenchören möglich ist, scheint auch in Stift Wilten zu funktionieren. Eine Spur erdverbundener im Klang. Der sehr zurückhaltende estnische Komponist begeht am 11. September dieses Jahres seinen 80. Geburtstag. Diese Aufnahme ist schon vorab ein Geschenk für die Botschaft seiner Musik, die „durch sich selbst existieren muss“ wie er betont. Eine dezidierte Aufforderung an die Hörerin, bewusst und wach zu lauschen.

    Ursula Magnes, 23. Mai 2015

    • Samstag, 23. Mai 2015, 07.35 und 17.15 Uhr.
      Sonntag, 24. Mai 2015, 09.35 Uhr.

     


    © ECM

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  •   Happy birthday, Keith Jarrett.

    Interpreten: Keith Jarrett, Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, Dennis Russell Davies, New Japan Philharmonic Orchestra, Kazuyoshi Akiyama
    Label: ECM Records
    EAN: 028948115808

    Am 8. Mai 1945 trat die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft. Am selben Tag wurde in Allentown, Pennsylvania, Keith Jarrett als ältester von fünf Brüdern in eine christlich geprägte Familie geboren. Pop-Kollege Billy Joel widmete der Stadt 1982 ein eigenes Lied namens „Allentwon“, das den wirtschafllichen Niedergang der Gegend beschreibt. Ungefähr zur selben Zeit erprobte der Jazz-Pianist, Improvisator und ewiglich Suchender Keith Jarrett, in den 1980er-Jahren Musik der klassischen Moderne im Konzertsaal. Die Live-Aufnahmen des Klavierkonzertes op. 38 von Samuel Barber und des 3. Klavierkonzertes von Béla Bartók hat das Münchner Label ECM (Edition of Contemporary Music) jetzt zum 70. Geburtstag des Musikers Keith Jarrett veröffentlicht.

    Schon am Beginn des ersten Satzes des 3. Klavierkonzertes von Béla Bartók hört man einen Musiker, der nie bloß Noten spielt. Er macht sich Bartóks rhythmische Raffinessen zu eigen, dass das New Japan Philharmonic Orchestra unter Kazuyoshi Akiyama einigermaßen zu tun hat, das Mitspielen zu erfüllen.

    Die ersten Akkorde des Klaviers im langsamen 2. Satz „Adagio religioso“ des Atheisten Béla Bartók könnten aus einer jener legendär gewordenen Improvisationen Jarretts stammen. Auch hier berührt das Individuelle. Oder zumindest das Wissen, dass der Musiker bei seinen klassischen Ausflügen mit großer Neugier viel zu sagen hat.

    Auch der 2. Satz „Canzone“ aus Samuel Barbers Klavierkonzert op. 38 entführt in Traumwelten. Aufgenommen am 3. Juni 1984 mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken unter Dennis Russel Davies.

    Dazu korrespierend bietet die CD noch eine Zugabe aus Tokyo, anno 1985. Die Improvisation „Nothing But A Dream“ knüpft an, wo die klassisch ausgerichtete Musikliebhaberin Johannes Brahms späte Intermezzi verortet. „Jazz-Pianist geht fremd“, titelte eine deutsche Zeitung. Und erfrischt dadurch meine Beziehung zu zwei wesentlichen Klavierkonzerten des letzten Jahrhunderts. Dank der langjährigen gegenseitigen Treue des Produzenten Manfred Eicher und des großen „Ungewöhnlichen“ Keith Jarrett. Alles Gute zum Geburtstag, Mr. Jarrett!  

    Ursula Magnes, 16. Mai 2015

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    © Berlin Classics

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  •   Felix Klieser Klassisch.

    Interpreten: Felix Klieser, Württembergisches Kammerorchester Heilbronn, Ruben Gazarian

    Label: Berlin Classics
    EAN: 885470006475

    Vor zwei Jahren erschien seine erste CD unter dem Titel „Reveries“, musikalische Träumereien der Romantik für Horn und Klavier. Seine Autobiografie hat er verschmitzt „Fußnoten“ genannt. Der erst 24-jährige Felix Klieser aus Göttingen spielt Horn. Das ist weiter nicht außergewöhnlich. Er tut dies allerdings mit seinem linken Fuß. Felix Klieser ist ohne Arme auf die Welt gekommen, was ihn nicht davon abhielt, seinen Traum Musiker und Hornist zu werden zu verwirklichen.

    Das Horn wird nicht nur in Wien gelegentlich als „Glücksspirale“ bezeichnet, da manchmal auch den Besten des Faches so genannte „Kiekser“ passieren können. Felix Klieser gehört mittlerweile zu den absoluten Könnern unter den Besten. Ganz abgesehen vom physischen als auch psychischen Kunststück, das er an den Tag legt. Für die aktuelle CD hat er sich mit der Wiener Klassik auseinandergesetzt, die vier bekannten Hornkonzerte von W. A. Mozart umschifft, dafür aber die rekonstruierte Fassung des frühen Hornkonzertes in Es-Dur ausgewählt.

    Felix Klieser muss den Vergleich mit arrivierten Kolleginnen und Kollegen nicht fürchten. Die beiden Hornkonzerte in D-Dur von Joseph Haydn klingen frisch und in seinem Falle im wahrsten Sinne des Wortes „leichtfüßig“ – das Stopfen des Sturzes gestaltet er mit dem Ansatz. Klieser hat für jede technische Anforderung eine für ihn praktische Lösung gesucht und gefunden. Auch das selten zu hörende Concertino von Michael Haydn verblüfft mich als Zuhörerin.

    Felix Klieser sagt mit den Mitteln seiner Kunst, wo ein Wille, da ein Weg. Und das beflügelt die Ohren weit über die technisch, stilistischen Grenzen der Wiener Klassik hinaus. Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn unter Ruben Gazarian erweist sich als solider Begleiter.

    Der Tonträger für Glücksmomente mit der „Glücksspirale" erinnert mich an die Schlagfertigkeit von Thomas Quasthoff. Auf die Frage, was er denn in seiner Freizeit mache, antwortete er: „Holzhacken!“. Felix Klieser spielt fantastisch Horn. Einen Ratgeber für Ausreden wird er vermutlich nie verfassen.

    Ursula Magnes, 9. Mai 2015

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    © Bernhard Musil

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  •   Mahan Esfahani.

    Interprete(n): Mahan Esfahani, Concerto Köln
    Label: Archiv produktion/Deutsche Grammophon
    EAN: 028947944812

    2011 spielte er als erster Cembalist bei den BBC Proms in London. 1984 in Teheran geboren, bedeutet für Mahan Esfahani das Cembalospielen ganz einfach Berufung. "Alte Musik Dogmen" sind ihm fremd. So verwundert es nicht, dass er das Bach d-Moll-Konzert BWV 1052 mit einer Kadenz von Johannes Brahms (!) musiziert. Auch sonst bietet seine Debüt-CD für die Deutsche Grammophon viele Überraschungen, welche ihn als brillanten, eigenständigen Intellektuellen ausweisen. Die CD mit dem Concerto Köln als Begleitband erscheint am 8. Mai.

    Schon der Titel der CD legt die richtige Spur: „time present and time past“. Mahan Esfahani zitiert T. S. Eliot um klar zu stellen für was er steht: zeitloses Musizieren mit seinem Instrument. So weit, so gut. Warum also nicht die Parallelen zwischen Steve Reich und J. S. Bach aufzeigen, in dem der Musiker die berühmte „Piano Phase for Two Pianos“ aus dem Jahr 1967 mit dem deutlich älteren d-Moll-Konzert von J. S. Bach auf die selbe CD packt.

    Mahan Esfahani bietet als weitere zeitliche Klammer Follia-Variationen von Alessandro Scarlatti, Francesco Geminiani und C. P. E. Bach – der einstige Gassenhauer klingt bei ihm frisch und gegenwärtig. Vielleicht erreicht diese Botschaft auch Lady Gaga. Selbst die1980er-Jahre sind vertreten. In diesen Jahren komponierte Henryk Górecki sein Cembalokonzert, irgendwie total aus der Zeit gefallen.

    Mahan Esfahanis Interpretationen sprechen mich an, weil er so musiziert wie er es für richtig hält und empfindet. Wobei ihm diese Kategorie wahrscheinlich fremd seinen würde. Das Cembalo ist eindeutig „sein Instrument“! Ziemlich clever und smart der junge Künstler mit Wohnsitz London. Seine neue CD enthält viel Diskussionsstoff – also reden sie ruhig darüber, wenn es ihnen nicht oder sehr gefällt. Das Salz in der Suppe aller Musikbegeisterten.

    Ursula Magnes, 2. Mai 2015

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    © Marion Koell

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  •   Andrè Schuen und Daniel Heide.

    Interpret(en): Andrè Schuen, Daniel Heide
    Label: avi-music
    EAN: 4260085533305

    Letztes Jahr sang Andrè Schuen in der semikonzertanten Mozart-DaPonte-Operntrilogie im Theater an der Wien unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt den Figaro, den Don Giovanni und den Guglielmo. Demnächst ist er in München als Guglielmo zu erleben. Reichlich Opernerfahrung hat er bereits als Ensemblemitglied in Graz und bei den Salzburger Festspielen gesammelt.

    Jetzt ist bei Avi-Music seine erste Lied-CD herausgekommen.
    Unter http://www.avi-music.de/surprise finden besonders Neugierige auch einen Bonustrack.

    Mit 31 Jahren legt der Ladiner Andrè Schuen seine erste Lied-CD vor. Er gestaltet mit Pianist Daniel Heide Lieder von Robert Schumann, Hugo Wolf und Frank Martin. Robert Schumann im innigen Bunde mit Heinrich Heine. „Schöne Wiege meiner Leiden“ aus dem Liederkreis op. 24 ist für beide Musiker die größte Herausforderung - legato Anschlag und Piano in der Stimme zu verbinden haben sie sich erarbeitet. Darüber hinaus wollen sie dem Schwärmer Robert Schumann anno 1840 sein Drängen hörbar lassen.

    Hugo Wolf im Bunde mit Goethes Harfenspieler, Mignons wehmütig lebensmüden Vater. Da braucht es Glut in der Stimme und disziplinierten Frohmut am Klavier, um nicht in den Donaukanal zu kippen. Andrè Schuen und Daniel Heide kultivieren diesen schreienden Schmerz.

    Bei Frank Martins Jedermann-Monologen nach Hofmannsthals Mysterienspiel wird aus dem weltsatten Angeber Jedermann ein Gottgläubiger. Ich hatte keinen Moment den Eindruck durch eine Lieder-CD in Sachen produktiver Arbeit "durchkommen" zu müssen. Und das ist das schönste Kompliment, das ich den beiden jungen Künstlern machen darf. Bleibt zu hoffen, dass Andrè Schuen mit seiner fließenden wie strahlenden Baritonstimme weiterhin klug umgeht.

    Ursula Magnes, 24. April 2015


    © harmonia mundi

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  •   Orfeo[s].

    Interpret(en): Sunhae Im, Akademie für Alte Musik Berlin.
    Label: harmonia mundi
    EAN: 3149020218921

    Die Geschichte des Orpheus ist untrennbar mit der Geschichte der Oper verbunden. Die Kraft, die Macht des Sängers war geradezu ideal für die neue Kunstform. Die Hochzeit von Orpheus und Eurydike, der plötzliche Tod der Geliebten, der wagemutige Abstieg in den Hades, die Überwindung der Hölle und des Todes. Ein Held, der mit der Kraft der Musik, mit der Kraft seiner Stimme alles überwinden kann. Um sich dieses Thema auch quasi nachhause nehmen zu können, schufen die Komponisten auch kleinere Formate. Neben Arien und Arrangements aus Opern entstanden auch unterschiedlich groß besetzte Kantaten.

    Die koreanische Sopranistin Sunhae Im hat sich für ihre erste Solo-CD Orfeo[s], die bei Harmonia Mundi erschienen ist, vier Orpheus-Kantaten ausgesucht. Vier barocke Meisterwerke, je zwei italienisch und französisch: Giovanni Battista Pergolesi, Louis-Nicolas Clérambault, Alessandro Scarlatti und Jean-Philippe Rameau. Besonders starken Eindruck hinterlässt die „cantata a voce sola con violini“ von Alessandro Scarlatti. Er hat über 100 Opern und 800 Kantaten geschrieben – der Großteil ist heute unbekannt. Sein „L’Orfeo“ zeichnet sich durch besonders dramatisch gestaltete Rezitative aus. Aber auch die anderen drei Komponisten schaffen in den jeweils nur knapp eine Viertstunde dauernden Kantaten jeweils kleine Opern, dramatische Szenen.

    Sunhae Im hat sich für ihre Solo-Debüt-CD ein interessantes Thema gesucht, sie singt – stets animiert begleitet durch die Akademie für Alte Musik Berlin– mit der nötigen Dramatik in der Stimme, ohne hysterisch zu wirken. Ob man sich für eine Debut-CD ein Spezialistenprogramm aussuchen soll, könnte man eventuell hinterfragen. Gelungen ist das Projekt auf jeden Fall. Und einen ähnlichen Mut wie Orpheus kann man Sunhae Im auch nicht absprechen. (cw)

    • Samstag, 18. April 2015, 07.35 und 17.15 Uhr.
      Sonntag, 19. April 2015, 09.35 Uhr.


    © harmonia mundi

  • Gewinnspiel
  • Archiv
  •   Schumann - Violinkonzert und Klaviertrio Nr.3.

    Schumann - Violinkonzert und Klaviertrio Nr.3.
    Interpret(en): Isabell Faust, Jean-Guihen Queyras, Alexander Melnikov; Freiburger Barockorchester, Pablo Heras-Casado.
    Label: harmonia mundi
    EAN: 3149020219621

    Der Beginn einer wunderbaren Reise – das könnte der Untertitel der ersten Ausgabe der Schumann Trilogie von Isabell Faust, Jean-Guihen Queyras und Alexander Melnikov sein. Beim gemeinsamen Musizieren kam die Idee, das konzertante Gesamtwerk Schumanns mit den kammermusikalischen Werken für Violine, Violoncello und Klavier zu kombinieren und auf CD aufzunehmen. Wie schon bei der Aufnahme des Erzherzogtrios von Beethoven hat man sich auch hier für das Spiel auf historischen Instrumenten entschieden, um der Musik die nötige Transparenz zu verleihen. Ein Plan, der auch diesmal wieder voll aufgegangen ist. Faust, Queyras und Melnikov verzichten auf pastose Romantikmalerei und zeichnen ein fein gegliedertes, beinahe durchscheinendes Bild des 3. und letztens Klaviertrios von Robert Schumann. Die zwischendurch notwendige Kraft lassen die Drei allerdings auch nicht vermissen, vor allem im 4. Satz!

    Ein Werk von Schumann, dem es bis heute nicht ganz leicht gemacht wird, wirklich erfolgreich zu sein, ist sein Violinkonzert von 1853. Widmungsträger Joseph Joachim verweigerte eine Uraufführung, weil er darin bereits den Beginn der psychischen Erkrankung seines Verfassers erkennen wollte. Wenig zum Erfolg beigetragen hat auch der Umstand der Uraufführung, mehr als 80 Jahre später, als „arisches“ Konzert auf deutschem Boden am 26. November 1937. Erst die Aufnahmenpremiere mit Yehudi Menuhin und dem New York Philharmonic Orchestra im Jahr darauf sollte dieses Werk einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und schließlich auch den Weg in die großen Konzertsäle der Welt ebnen.

    Isabell Faust hat sich für ihre Aufnahme das Freiburger Barockorchester unter Pablo Heras-Casado eingeladen und herausgekommen ist weit mehr, als nur eine Wiedergutmachung an diesem Werk! So beginnt die wunderbare Reise in die musikalische Welt Robert Schumanns, und macht bereits Lust auf den nächsten Halt. (mg)


    © DG

  • Gewinnspiel
  • Archiv
  •   Brahms - The Hungarian Connection.

    Brahms - The Hungarian Connection.
    Interpret(en): Andreas Ottensamer und Freunde.
    Label: Deutsche Grammophon
    EAN: 028948114092

    Von einem großen Wurf zu sprechen ist immer so eine Sache. Im Falle der neuen CD des Klarinettisten Andreas Ottensamer aber wäre alles andere eine Untertreibung. Er macht sich auf die Suche nach dem ungarischen Idiom in Johannes Brahms‘ Musiksprache und findet neben den bekannten Ungarischen Tänzen auch den einen oder anderen Anklang, wo man ihn auf den ersten Blick vielleicht nicht vermutet hätte. Wenn zum Beispiel im zweiten Satz des Klarinettenquintetts, wie es im Beiheft heißt, "Brahms wehmütig den Klang einer ungarischen Kapelle heraufbeschwört – wenn die Streicher den trappelnden Klang eines Zymbals imitieren und die Klarinette darüber quasi rhapsodisch spielt."

    Für seine Banda hat sich Klarinettist Ottensamer Freunde und Kollegen der Philharmonischen Orchester aus Wien und Berlin eingeladen. Als Primas fungiert kein geringerer als Leonidas Kavakos, sekundiert wird von Christoph Koncz. Sein Bruder Stefan Koncz ist am Cello mit dabei und hat auch für die Bearbeitungen und Arrangements der kürzeren Werke auf dieser CD gesorgt. Bratschist Antoine Tamestit komplettiert die Besetzung des Quintetts. Ein Glückspilz, wer solche Freunde hat…

    Zu den Genannten gesellen sich bei Brahms‘ ungarischen Tänzen Nr. 1 und 7 sowie bei zwei Sätzen des Komponisten Leó Weiner auch der Zymbalvirtuose Oszkár Ökrös und der Kontrabassist Ödön Rácz. Somit ist auch für traditionelles Ungarisches Kolorit gesorgt.

    Langsam und schnell, lassú és friss, ist die musikalische Devise, die schließlich auch in Tänzen aus Transsylvanien kumuliert. Spätestens hier fühlt man sich in eine andere Welt versetzt und möchte die Musiker, hier vielleicht besser die Musikanten, mit einem Glas Tokajer hoch leben lassen! Prost und Egészségedre! (mg)

     

    • Samstag, 28. März 2015, 07.35 und 17.15 Uhr.
      Sonntag, 29. März 2015, 09.35 Uhr.


    © mirare

  • Gewinnspiel
  • Archiv
  •   Rémi Geniet: Bach.

    Bach.
    Interpret(en): Rémi Geniet.
    Label: mirare
    EAN: 3760127222682

    Johann Sebastian Bach war 21, als er die Toccata in c-Moll komponierte – genau wie Rémi Geniet, als er sie im Herbst 2014 aufgenommen hat. Als jüngster Preisträger ging der Franzose 2011 aus dem Beethoven Wettbewerb in Bonn hervor, bevor er 2013 den zweiten Preis beim Concours International Reine Elisabeth gewann, um nur zwei seiner zahlreichen Auszeichnungen zu nennen.

    Am Pariser Conservatoire National Supérieur war Rémi Geniet einer der letzten Studenten der Grande Dame Brigitte Engerer, einer Enkelschülerin von Heinrich Neuhaus. Auch seine übrigen Professoren sind Berühmtheiten: Kammermusik hat er bei Pierre-Laurent Aimard studiert, Dirigieren bei George Pehlivanian. Aktuell setzt er seine Studien bei Evgeni Koroliov in Hamburg fort, der dem Werk Bachs besonders verbunden ist.

    Rémi Geniet hat sich für seine Debüt-CD neben der Toccata in c-Moll für die Partita Nr. 4 in D-Dur, die Englische Suite Nr. 1 in A-Dur und das Capriccio im B-Dur „über die Abreise des sehr geliebten Bruders“ entschieden. Eine vielversprechende Aufnahme eines so jungen Virtuosen, der weit mehr als technische Brillanz aufzuweisen hat: die Musik atmet, lebt und kommt zur Ruhe. (mvh)

    • Samstag, 21. März 2015, 07.35 und 17.15 Uhr.
      Sonntag, 22. März 2015, 09.35 Uhr.


    © ancalagon

  • Gewinnspiel
  • Archiv
  •   Schubert.

    Schubert.
    Interpret(en): Marie-Pierre Langlamet, Anna Prohaska, Ludwig Quandt, Lara St. John
    Label: Ancalagon
    EAN: 854853004025

    Schlicht „Schubert“ heißt die CD, auf deren Cover ein alter Kahn einsam und verlassen vor einem düster-grauen Wolkenmeer vor sich hindümpelt. Auf ihr erklingt die These, dass Schubert, hätte er damals bereits die Doppelpedalharfe gekannt, sie wohl für so manches seiner Werke verwendet hätte.

    Eindrücklich zeigt Marie-Pierre Langlamet, welch Wirkung Schuberts Musik auf ihrem Instrument entfalten kann: Weich und unaufdringlich der Klang, subtil die Differenzierungsmöglichkeiten. In der Tat – in ihrer Fragilität ideal für Schubert.

    Überzeugend wird die These durch die Interpretin: Die vielfach ausgezeichnete Marie-Pierre Langlamet wurde bereits mit 17 Jahren Soloharfenistin des Opernorchesters von Nizza, nach einer Zwischenetappe an der Met hat sie nun seit 1993 dieselbe Position bei den Berliner Philharmonikern inne – eine wahre Meisterin ihres Instruments.

    Die Harfenistin liebt die Kammermusik und hat sich für ihre Schubert-CD hervorragende Kollegen zum gemeinsamen Musizieren eingeladen - Ludwig Quandt ist ebenso lange wie Marie-Pierre Langlamet bei den Berliner Philharmonikern als 1. Solocellist tätig, die renommierte Geigerin Lara St. John betreibt auch das Aufnahmelabel und Sopranistin Anna Prohaska wagt sich passenderweise an die Gesänge des Harfners: fein! (mvh)

    • Samstag, 14. März 2015, 07.35 und 17.15 Uhr.
      Sonntag, 15. März 2015, 09.35 Uhr.


    © harmonia mundi

  • Gewinnspiel
  • Archiv
  •   Rappresentatione di Anima e di Corpo.

    Cavalieri: Rappresentatione di Anima & di Corpo
    Interpret(en): Akademie für Alte Musik Berlin, René Jacobs
    Label: HMC
    EAN: 3149020220023

    Wenn der Verstand in Rappresentatione di Anima e di Corpo fragt „Ach wer kann mein gieriges Verlangen stillen?“ dann geht es um die immer aktuelle Frage, wie Leben gelingt. Die Seele klagt im zentralen Dialog mit dem Körper: „Ich möchte Ruhe und Frieden, ich möchte Vergnügen und Freude und finde nur Kummer und Überdruss“

    Im Dialog der Allegorien Körper und Seele konnten Standpunkte wie die Vergänglichkeit des Irdischen und das Vertrauen in göttlichen Schutz einander gegenüber gestellt werden. Auf der Suche nach dem rechten Weg wendet die Seele sich an den Himmel – und erhält Antwort in Form eines Echos.

    Emilio de Cavalieris 1600 uraufgeführte Komposition gilt als Schlüsselwerk der Musikgeschichte, da es das erste vollständig erhaltene musikdramatische Werk ist. Der geringe Stimmumfang der Gesangspartien und die schlichte Gestaltung der Rezitative sollte der Textdeutlichkeit dienen – René Jacobs macht eine Ausnahme bei der Figur der selbstverliebten Vita mondana.

    René Jacobs setzt eine reiche Palette an Farben im Klang der Akademie für Alte Musik Berlin ein. Am Ende stimmen alle zusammen mit den Solisten und dem Staatsopernchor Berlin ein Loblied auf den Herrn an, ein Fest für Liebhaber der Alten Musik. (mvh)

    • Samstag, 7. März 2015, 07.35 und 17.15 Uhr.
      Sonntag, 8. März 2015, 09.35 Uhr.


    © Kapella 19

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  • Archiv
  •   Étienne-Nicolas Méhul: Symphonien.

    Étienne-Nicolas Méhul: Symphonien 3, 4 & 5.
    Interpret(en): Kapella 19, Eric Juteau
    Label: Kapella 19, Nürnberg
    EAN: 0742832392211
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    Zeit ihres Lebens berühmt und doch im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte beinahe in Vergessenheit geraten – das sind die Komponisten, auf deren Musik sich das junge Nürnberger Orchester Kapella 19 und sein Kapellmeister Eric Juteau spezialisiert haben. Auf der kürzlich erschienen Debüt CD sind es nun die 3., 4. und auch die fragmentarisch gebliebene 5. Symphonie des französischen Meisters Étienne- Nicolas Méhul, die zum Teil erstmals auf einem Tonträger wieder erlebbar gemacht wurden.

    Könnte die Zahl 19 bei einem Blick auf das Foto der Kapella 19 auf das geschätzte Durchschnittsalter der Mitglieder schließen lassen, so ist sie doch mehr ein Hinweis auf die Zeit des 19. Jahrhunderts, also auf die Epoche der Romantik. Historisch informiert und auf originalen Instrumenten der Zeit musizieren die jungen Damen und Herren, mit viel Verve und Esprit und hauchen so der Musik neues Leben ein. Auf Vibrato wird weitgehend verzichtet, was hin und wieder zu intonationstechnischen Unschärfen führt, dafür wird mit größtmöglichen dynamischen Unterschieden und einer erfreulich jugendlichen Herangehensweise eine ganz eigene musikalische Stimmung erzeugt.

    Dirigent Eric Juteau, der das Orchester vor wenigen Jahren ins Leben gerufen hat, sammelte erste Erfahrungen im historisch informierten Spiel in seiner französischen Heimat, bevor ihn sein Interesse für die deutsche Sprache und Kultur im Jahr 2004 nach Deutschland geführt hat. Er ist es auch, dem die Wiederentdeckung des Komponisten Méhul und die Wiederbelebung einiger seiner Werke zu verdanken ist. So hat ihn der renommierte deutsche Verlag Ries und Erler Berlin mit der Herausgabe der 3 letzten Symphonien beauftragt!

    Besagte drei letzte Symphonien von Étienne-Nicolas Méhul sind es, die die Kapella 19 auf ihrem Erstlingswerk zu Gehör bringt. Drei seltene Beispiele französischer Symphonik des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, die durchaus als Missing Link französischer Orchestermusik dieser Zeit verstanden werden können. Eine Lücke, die nun von Kapella 19 unter Eric Juteau mit „Authentizität, Klang, und Musikalität“ geschlossen wird! (mg)

    • Samstag, 28. Februar 2015, 07.35 und 17.15 Uhr.
      Sonntag, 1. März 2015, 09.35 Uhr.


    © DG

  • Gewinnspiel
  • Archiv
  •   Lost and Found.

    Lost and Found
    Interpret(en): Albrecht Mayer, Kammerakademie Potsdam
    Label: DG
    EAN: 0028947929420

    Ob es sich bei dem Konzert von Joseph Fiala tatsächlich um das Konzert für Englischhorn handelt, von dem Mozart seinem Vater in einem Brief vorgeschwärmt hat, ist unklar – Albrecht Mayer hat es nach C-Dur transponiert und ist überzeugt, dass es nun seinen Platz im Repertoire finden wird, genau wie die drei Oboenkonzerte, die er auf seiner neuen CD eingespielt hat, darunter Franz Anton Hoffmeisters C-Dur Konzert.

    Lost and Found ist das Ergebnis einer Jahre langen Recherche, bei der Albrecht Mayer über 100 Oboenkonzerte von mehr oder weniger vergessenen Komponisten gefunden hat. Zusammen mit der Kammerakademie Potsdam hat er vier ausgewählt, um zu zeigen, dass es im 18. Jahrhundert neben Mozart sehr wohl auch noch andere hörenswerte Komponisten gab, wie etwa Jan Antonín Koželuh.

    Mit seiner makellosen Technik und seinem eleganten, schlanken Ton ist Albrecht Mayer zweifellos der beste Fürsprecher für diese zu Unrecht vergessenen Werke. Spritzig und fein differenziert spielt auch die Kammerakademie Potsdam, die Albrecht Mayer von der Oboe aus leitet. Ein Blick abseits des Mainstreams, der sich lohnt – man entdeckt dabei z.B. Ludwig August Lebruns virtuoses g-Moll Konzert. (mvh)

    • Samstag, 21. Februar 2015, 07.35 und 17.15 Uhr.
    • Sonntag, 22. Februar 2015, 09.35 Uhr.


    © Genuin

  • Gewinnspiel
  • Archiv
  •   A Swedish Trombone Wilderness.

    A Swedish Trombone Wilderness
    Interpret(en): Lars Karlin u.a.
    Label: Genuin
    EAN: 4260036253375
     

    Schon die ersten Töne sind eine Einladung, die Ohren zu öffnen und neugierig zu sein, wie die Welt des Posaunisten Lars Karlin klingt: Modern, spannend und humorvoll eröffnet er seine CD mit einem Stück für Posaune und Tonband von Anders Hillborg. In Benjamin Staerns Humorvollem Monolog für Soloposaune meint man, eine sich vor Lachen biegende Posaune zu hören.

    Großartig, über was für eine Virtuosität und Präzision dieser junge Schwede auf seinem Instrument verfügt! Aber auch Klangvielfalt, Musikalität und Lebendigkeit seines Spiels begeistern, schließlich hat er sich als 12-Jähriger in ein Posaunenglissando verliebt.

    Zwei Weltersteinspielungen finden sich auf der CD, darunter Christian Lindbergs Land of the Rising Sun. Wenngleich Lars Karlins Posaune immer im Zentrum steht, so ist sie keinesfalls immer allein – mal wird sie von Streichensemble begleitet, wie in Lars-Erik Larssons Concertino für Posaune und Streicher, mal vom Klavier, wie in Roland Pöntinens Zimmer für Posaune und Klavier, mal von Posaunenensemble, wie bei schwedischen Liedern – immer hörenswert und faszinierend! (mvh)

    • Samstag, 14. Februar 2015, 07.35 und 17.15 Uhr.
    • Sonntag, 15. Februar 2015, 09.35 Uhr.


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